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Dom zu Visby
24.11.2015
Visby hatte im Mittelalter mehr Kirchen als irgendeine andere Stadt in Schweden. Innerhalb der Stadtmauern gab es mindestens zwölf und außerhalb lagen zwei Kirchen. Von diesen Kirchen ist nur eine Kirche erhalten geblieben, die Domkirche zu Visby. Von allen anderen Kirchen stehen nur noch die Ruinen oder die Kirchen sind mittlerweile ganz verschwunden.


... und wer mag - hier nochmal etwas ausführlicher: Bereits im 12. Jahrhundert wurde mit dem Bau der obigen Kirche begonnen. Sie bekam ursprünglich den Namen 'Sankt-Maria-Kirche' und wurde zum Teil aus heimischen Kalksteinen erbaut. Sie war ein Kirchbau der Gotlandfahrer, also eine Kirche der deutschen Seeleute und Kaufleute, die Visby im Mittelalter als Handelsmetropole der östlichen Ostsee aufsuchten. Visby galt als Drehscheibe für den Handel der Hansestädte der südlichen Ostsee mit den Handelspartnern in Russland und dem Baltikum.

Die Kirche war eine reine Gastkirche, die erst später, als sich die deutschen Kaufleute in der Stadt dauerhaft ansiedelten, zur Gemeindekirche der deutschen Bevölkerung Visbys wurde. Das Geld für den Bau wurde zumeist auf den Koggen (einem Segelschiffstyp der Hanse) in der Gotlandfahrt gesammelt und im Jahr 1225 wurde die Kirche dann der Jungfrau Maria geweiht. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche vielfach umgebaut und auch sehr stark erweitert, denn die Hansekaufleute dachten praktisch und zogen in das Kirchenschiff ein weiteres Stockwerk als Lagerboden ein, so dass auch Handelswaren in der Kirche sicher verwahrt werden konnten. Von außen kann man das auch heute noch an den Windenhaken erkennen, an denen die Taljen (Flaschenzüge) eingehängt wurden, um die Waren auf die Lagerböden zu heben. In den Folgejahren um 1300 wurden weitere große Um- und Anbauten durchgeführt und bereits im Jahr 1423 erhielt der Westturm (im Bild der hintere) seine heutige Höhe. Die heutigen Turmhauben sind allerdings eine Formgebung des 18. Jahrhunderts, wie man es auf alten Stichen von Visby des 16. Jahrhunderts erkennen kann.

Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen des ausgehenden Mittelalters fielen im Jahr 1525 alle übrigen mittelalterlichen Kirchen Visbys einem Sturmangriff der mit Gustaf Wasa verbündeten Lübecker auf die von dem dänischen Gefolgsmann Severin Norby besetzte Stadt zum Opfer und brannten aus. Sie werden seither als Ruinen erhalten und prägen das Stadtbild in einem ganz besonderen Maße. Seither ist die ehemals deutsche Kirche 'Sankt Maria' auch die einzige mittelalterliche Kirche in Visby, in der Gottesdienst gehalten werden kann.

Im Jahr 1572 wurde die Marienkirche zur Bischofskirche der Diözese Visby und damit zum Dom. Im schwedischen Sprachgebrauch verschmolzen der alte Name und die neue Funktion zu 'Visby Sankt Maria Domkyrka' und seit dem Jahr 2003 ist die Marienkirche gleichzeitig auch die Kathedrale der schwedischen Kirche im Ausland (Quelle: Wikipedia ...).

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Sommer 2012 | Visby Sankt Maria Domkyrka | Dom zu Visby | Gotland | Schweden

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