scandinavian pictures - scanpics - Skandinavienbilder
Drücken Sie bitte F11 für eine Vollbildschirmanzeige!

Der Leuchtturm von Rubjerg Knude ist der bekannteste und wohl meistfotografierte Leuchtturm Nordjütlands.

Obwohl Rubjerg Knude Fyr
schon seit vielen Jahren außer Betrieb ist, kommen jedes Jahr Heerscharen von Besuchern, die dieses grandiose Naturschauspiel näher betrachten wollen.

In dieser 'scanpics story' finden Sie einige Informationen zum Leuchtturm, historische Postkarten und aktuelle Bilder aus den Jahren 1994-2009.



Ganz im Norden des dänischen Festlandes liegt zwischen Lønstrup und Løkken der Leuchtturm von Rubjerg Knude auf dem Lønstrup Kliff direkt am Skagerrak. 1899 wurde mit dem Bau begonnen und am 27. Dezember 1900 wurde der 23 Meter hohe Leuchtturm in Betrieb genommen. Am 1. August 1968 verlosch sein Licht für immer.



Als Standort für den Leuchtturm wählte man den derzeit höchsten Punkt der Steilküste zwischen Lønstrup und Løkken. Diese rundliche Erhöhung (= Knude) lag 60 Meter über dem Meer und befand sich zu jener Zeit ca. 200 Meter landeinwärts. Nur eine kleine ca. 2-3 Meter hohe Düne befand sich zwischen dem Leuchtturmkomplex und dem Meer.



Bereits 10 Jahre nach der Inbetriebnahme des Leuchtturms fingen jedoch die Probleme an. Große Mengen Sand wurden an der Steilküste den Hang hinauf geweht und lagerten sich ausgerechnet zwischen Steilküste und Leuchtturm ab. Nach weiteren 10 Jahren (1920) verteilte sich der Flugsand nunmehr über das gesamte Leuchtturmgelände und um die Gebäude. Der Brunnen versandete und die Gemüsegärten wurden im wahrsten Sinne verwüstet.



Der Kampf mit dem Sand dauerte weitere 30 Jahre. Versuche die Flugsanddüne an der höchsten Stelle abzutragen (1950) blieben erfolglos. Immer wieder wurden unglaubliche Mengen Flugsand die Steilküste hinaufgeweht. Auch das Bepflanzen der Düne mit Strandhafer ließ die Flugsanddüne nur noch schneller wachsen. Vom Meer aus war der Leuchtturm mittlerweile aus verschiedenen Richtungen nicht mehr zu sehen.

Da im Laufe der Zeit die Seenavigation immer moderner wurde und der Kampf gegen das Sandtreiben nicht zu gewinnen war, wurde der Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr im Jahr 1968 aufgegeben und für immer abgeschaltet.

Im Jahr 1980 wurde der Leuchtturmkomplex als Flugsandmuseum dem 'Vendsyssel Historiske Museum' unterstellt. In den Gebäuden befanden sich Ausstellungen über die Geschichte des Leuchtturms, sowie Erläuterungen zum Flugsandproblem. Ein weiteres Gebäude wurde zur Cafeteria umfunktioniert.

Ab 1992 wurden alle Maßnahmen unterlassen, den Sand von den Ausstellungsgebäuden fern zu halten. Seitdem verschlang der Sand nach und nach alle Gebäude des Leuchtturms.



1994

Im Jahr 1994 war ich zum ersten mal beim Leuchtturm. Das Flugsandmuseum und die Cafeteria waren noch immer in Benutzung. In den meerseitigen Gebäuden wurde auf vielen Tafeln und Bildern das Phänomen des Flugsandes und das allmähliche Versanden des Leuchtturmkomplexes ausführlich dargestellt. Der Leuchtturm durfte noch bestiegen werden und auch die Plattform war noch zugänglich.



Der Sand hatte mittlerweile das erste Gebäude verschlungen. Damit das Dach durch den enormen Druck des Sandes nicht einstürzte, hatte man es teilweise entfernt. Das Gebäude wurde so langsam vom Flugsand gefüllt.



1995

Ein Jahr später reichte es zeitlich leider nur für einen kleinen Zwischenstopp an der Hauptstraße in der Nähe des Leuchtturms. Nebenbei entstand das nachfolgende Panorama, welches ich erst kürzlich (03/2010) beim Durchstöbern meines scanpics-Archivs wieder entdeckte. Die Flugsanddüne befand sich zu dieser Zeit noch deutlich sichtbar hinter dem Leuchtturm im meerseitigen Bereich.






1999

In den folgenden 4 Jahren breitete sich der Flugsand nur sehr langsam aus. Wieder wurde vorsorglich das Dach eines Gebäudes teilweise entfernt. Auch die letzten grünen Fleckchen Vegetation verschwanden.









2004

Nach weiteren 5 Jahren konnte man seinen Augen kaum trauen. Die Flugsanddüne hatte sich landeinwärts derart ausgebreitet, dass der Leuchtturmkomplex nun allseitig vom Sand eingeschlossen war. Fast alle Gebäude waren vom Sand begraben. Der Leuchtturm ragte nunmehr fast allein aus der Sanddüne.






Das Flugsandmuseum und die Cafeteria konnten nicht weiter betrieben werden und wurden zwischenzeitlich geschlossen.

Interessierte Besucher können mittlerweile etwa 2 km südöstlich von Rubjerg Knude im Jens Thomsens Hof (Hof des Strandvogts in Rubjerg) Ausstellungen über den Leuchtturm besuchen.






2005

Auf den folgenden Bildern kann man vielleicht erahnen, welche Mengen Sand bei stürmischem Wetter die Düne hinaufgeweht werden.









Der höchste Punkt von Rubjerg Knude liegt im Jahr 2005 ungefähr 90 Meter über dem Meer auf gleicher Höhe wie die Leuchtturmspitze. Davon sind ca. 40 Meter Flugsand, der sich im Laufe der Zeit an der Steilküste aufgetürmt hat.









In jedem Jahr werden von den schweren Winterstürmen bis zu mehrere Meter Land an der Steilküste ins Meer gerissen. Der herabfallende Sand wird vom starken Wind die Düne hinaufgeweht, so dass die Flugsanddüne langsam landeinwärts wandert und dabei noch weiter an Höhe gewinnt.






2006

Der ständige Wind hat ganze Arbeit geleistet. Nach nur einem Jahr präsentiert sich der Leuchtturm in einer stark veränderten Landschaft.






Der Scheitelpunkt der Flugsanddüne befindet sich im Jahr 2006 viele Meter hinter dem Leuchtturm landeinwärts. Die Flugsanddüne hat sich sehr stark weiter ins Landesinnere ausgebreitet, wobei die Höhe unmittelbar am Leuchtturm leicht abgenommen hat und die Düne mittlerweile an mehreren Stellen wie eine Hochebene aussieht.






Die meerseitigen Gebäude des Leuchtturmkomplexes wurden teilweise wieder freigelegt. Wenn die Stärke der Sandverwehungen in den nächsten Jahren derart anhält, könnten diese Gebäude bereits in wenigen Jahren absturzgefährdet sein.






Bevor der Leuchtturm dann ins Meer stürzt, wird er wahrscheinlich vorsorglich abgerissen werden.



Wer den alten Leuchtturm allein genießen möchte, sollte morgens sehr früh aufstehen oder abends etwas Zeit mitbringen. Tagsüber kann es dort schon mal etwas "Gedränge" geben.



2008

Nach weiteren 2 Jahren hat sich die Landschaft an der großen Flugsanddüne und der Leuchtturmkomplex selbst wieder sehr stark verändert.

Wie bereits im Jahr 2006 erwähnt, lagen die Dächer der meerseitigen Gebäude schon eine Zeit lang wieder frei und die Gebäude drohten in den nächsten Jahren von der Abbruchkante der Steilküste ins Meer zu stürzen. Zu einem Absturz der Gebäude kam es aber nicht, denn bereits im Herbst 2007 wurden alle umliegenden Gebäude des Leuchtturms mit schwerem Gerät abgerissen. Da immer wieder Touristen auf den einsturzgefährdeten Gebäuden herumkletterten und die Unfallgefahr viel zu groß war, musste man diesen Schritt gehen. Seit Oktober 2007 steht der Leuchtturm nur noch allein in der großen Flugsanddüne.






Die gesamte Flugsanddüne wanderte in den letzten 2 Jahren stetig weiter landeinwärts und das nun entstandene Hochplateau direkt am Leuchtturm vergrößerte sich zudem ganz enorm. Der Turm "wandert" dadurch förmlich in Richtung Abbruchkante der Steilküste und es wird nicht mehr lange dauern, bis auch der Leuchtturm nur noch Geschichte ist.

Der Sand verschlingt mittlerweile sehr große Bereiche der umliegenden Vegetation und auch ehemalige Hinweisschilder auf den nicht mehr vorhandenen Wegen ringen um ein wenig Luft, bis sie in spätestens ein/zwei Jahren vom Sand begraben werden.






Die gute Thermik an der Steilküste und am Leuchtturm hat sich mittlerweile auch bei den Gleitschirmfliegern herumgesprochen. Besonders abends zum Sonnenuntergang genießen nicht nur die Besucher des Leuchtturms die oftmals unglaublich schöne Lichtstimmung, wenn die Sonne im Skagerrak versinkt.






[Zwischenbilanz 2004...2008]

Ich habe in den letzten 15 Jahren so einige Aufnahmen vom Rubjerg Knude Fyr gemacht und habe mal ein paar Aufnahmen aus den Jahren 2004...2008 zusammengestellt. Das Licht und die Farben sind immer anders und die Landschaft um den Leuchtturm herum, ändert sich von Jahr zu Jahr mit rasanter Geschwindigkeit. Es ist also nahezu unmöglich, in verschiedenen Jahren (auch wenn man das wollte) identische Aufnahmen zu fotografieren.






2009

Eine Reise nach Nordjütland und somit ein Besuch des Leuchtturms war im Sommer 2009 gar nicht geplant aber man kann seine Pläne ja ändern ...

... und wieder hat der Wind ganze Arbeit geleistet.
... und wieder stehe ich am Leuchtturm und staune.


Bis zum Jahr 2008 waren alle hier gezeigten Panoramabilder beschnittene Weitwinkelaufnahmen. Seit geraumer Zeit ist die digitale Bildbearbeitung allerdings soweit fortgeschritten, dass es problemlos möglich ist, "echte" Panoramen aus mehreren Einzelbildern zu montieren. D.h. alle ab hier gezeigten Panoramen sind Fotomontagen aus mehreren Aufnahmen und können in natura nur durch eine Drehung der Blickrichtung wahrgenommen werden.

Das linke Bild zeigt also ein R.K.F. Panorama mit einem Bildwinkel von ca. 180 Grad. Auf der rechten Seite des Panoramas sieht man ganz klein Lønstrup, auf der linken Seite liegt (verdeckt durch einen Teil der Flugsanddüne) Nørre Lyngby.

Das rechte Bild zeigt nochmal etwas größer, wie voll und eng es tagsüber auf der Flugsanddüne werden kann.






Aus einer anderen Perspektive wirkt die Flugsanddüne nicht mehr ganz so hoch, weil der Aufnahmeort in diesem Fall auf gleicher Höhe wie die Dünenspitze liegt. Man erkennt aber ganz gut die Weite des in den letzten Jahren entstandenen Hochplateaus und wie weit der Sand inzwischen ins Landesinnere gewandert ist.






Mittags ist es praktisch unmöglich, auf der Flugsanddüne Panoramen zu fotografieren, ohne dass einem begeisterte, staunende oder fotografierende Touristen durch das Bild laufen. Das gehört aber dazu, denn der Leuchtturm ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen in Nordjütland. Wem das zu belebt ist, der sollte lieber auf den frühen Morgen ausweichen, denn auch abends zum Sonnenuntergang kann es recht "voll" werden beim R.K.F. ...






Ich habe in all den Jahren, in denen ich den alten Leuchtturm besuche, noch nie so viele Gleitschirm- und Drachenflieger über dem Gebiet gesehen, wie im Sommer 2009. Insgesamt sind es auf dem Bild 11 "Piloten" in der Luft und seltsamerweise gar nicht so viel mehr "Fußgänger" auf der Flugsanddüne am Turm ...






Trotz all der Begeisterung für den Leuchtturm, seiner Umgebung und der tollen Atmosphäre auf der Flugsanddüne, wenn es dort so richtig voll ist, gefällt es mir noch besser, wenn ich ganz allein und "ungestört" dort oben fotografieren kann. Das ist auch nicht weiter schwierig, wenn man bereit ist dafür etwas früher aufzustehen. Da die meisten Touristen im Urlaub auch gerne mal ausschlafen, ist früh morgens am Leuchtturm nicht viel Betrieb. Vor Sonnenaufgang ist es dort schön menschenleer und die Lichtstimmung ist dann direkt bei Sonnenaufgang für meinen Geschmack am schönsten.



Nur einmal (2006) begegneten mir zwei Touris, die sich in der Nähe des Turmes in den Sand setzten und auf den Sonnenaufgang warteten. Nachdem die Sonne dann aufgegangen war, fuhren sie bald wieder davon und ich hatte den Turm wieder allein für mich. Was will man mehr ...



Nachdem ich mittlerweile viele, viele Aufnahmen am Leuchtturm gemacht hatte, wünschte ich mir irgendwann, den Leuchtturm mit seiner Umgebung in gutem Licht aber ohne die unzähligen Fußspuren fotografieren zu können. Das funktioniert jedoch nur, wenn es ein oder zwei Tage und Nächte ziemlich stürmisch ist (dann waren nicht so viele Besucher dort), so dass der Wind die vielen Fußspuren mit neuem Sand überdeckt oder einfach fortweht. Zudem muss dann morgens die Sonne für die entsprechende Beleuchtung des Motivs sorgen. Alles Punkte, die man nicht so wirklich gut beeinflussen kann. Dann heißt es: Wetter beobachten, Wecker stellen, früh aufstehen, zum Turm fahren und sein Glück versuchen. Im Sommer 2009 gelangen mir dann nach vielen Versuchen endlich die folgenden Aufnahmen, wie ich sie mir schon so lange gewünscht hatte.






Dieses warme Licht direkt nach Sonnenaufgang beleuchtete nur für wenige Minuten die Szenerie. Schon nach relativ kurzer Zeit lag der meerseitige Dünenbereich nicht mehr im Schatten und der Zauber war verflogen. Es war immer noch sehr stürmisch aber ich war froh darüber, denn der Wind hatte (wie gewünscht) viele der unzähligen Fußspuren, die immer auf der Flugsanddüne zu sehen sind, fortgeweht. Kamera und Fotograf leiden schon ziemlich durch den Wind und den feinen Sand, der auch in die Augen und Ohren fliegt. Nach dem Fotografieren bei diesen Bedingungen ist dann immer ein penibles Entsanden der Ausrüstung erforderlich.






Für eine kurze Zeit taucht die Sonne die Landschaft in ein goldenes Licht. Man muß sich allerdings beim Fotografieren ein wenig beeilen, denn viel zu schnell ist diese Stimmung vorbei.






Mittlerweile habe ich den Leuchtturm in ganz vielen verschiedenen Licht- und Wetterstimmungen erlebt und fotografiert. Es war nie langweilig für mich und ich hoffe, ich konnte etwas von meiner Begeisterung für dieses schöne Plätzchen in dieser 'scanpics story' rüber bringen.


.:|:.
____________________________________________________



·

Quellangaben:

Mit freundlicher Genehmigung des
VENDSYSSEL HISTORISKE MUSEUM
Museumsgade 3, DK-9800 Hjørring



Die Scans der historischen Postkarten stammen
aus einer Privatsammlung von KLAUS HÜLSE.
Vielen Dank!